INTERIOR

Der Dietzsche Einrichtungsstil – ein Hoch auf Design

Ich habe heute morgen meine alte Jeans aus dem Schrank gezogen. Geile Jeans. Gekauft 2014. Die habe ich immer gerne getragen. Dann die pure Ernüchterung: Das Teil sieht aus wie anno 2001. Was habe ich mir dabei eigentlich gedacht? Ähnliches Phänomen ist mir übrigens bei Durchsicht der Fotos unserer alten Wohnung passiert. Seltsam, was einen manchmal reitet. Das Konzept hat gestimmt. Und wir haben uns sehr wohl gefühlt. Heute würde ich trotzdem alles anders machen. Eine andere Zeit, ein anderer Ort, andere Gegebenheiten. Der Einrichtungsstil kann also auch nur ein Modephänomen sein. Mediterran. Landhaus. Retro. Shabby chic. Industrie. Oder eben Skandinavisch.

Mediterran ist voll 90er

Meine Großeltern haben sich vor 15 Jahren ein neues Haus gekauft. Alles sollte perfekt sein. Ihre Liebe zum Süden sollte sich in ihrem neuen Heim wiederfinden. Der teure Olivenbaum und die exotische Palme sind nach einem Jahr eingegangen. Die ockerfarbenen Säulen im Hauseingang sind geblieben. Es ist wirklich schön bei ihnen. Aber das mediterrane Feeling kommt trotzdem nicht richtig auf und hat gegen das verregnete Rheinland sowieso keine Chance.

Mediterran ist also raus, würde heute keiner mehr machen. Und was ist mit Landhaus? Unser letztes Zuhause war eine Altbauwohnung mitten in Köln. Wir haben die Wohnung kernsaniert und wollten unser erstes, richtiges, gemeinsames Zuhause perfekt machen. Die Möbel haben wir überwiegend in Holland gekauft. Teakholz, weiße Landhausstühle. Auch hier: Es war total schön und gemütlich. Aber zeitlos? Nein. Wir haben noch ein einziges Teil aus unserer damaligen Einrichtug. Eine Lampe, die meine Eltern mir zum 19. Geburtstag geschenkt haben.  Und das war auch der Kern des Anstoßes.

Unser Esszimmer in der Altbauwohnung in Köln. Die Stehlampe ist eine Occhio, die auch heute noch in unserem Haus steht.

Die Küche in der Altbauwohnung. Heute haben wir immer noch eine weiße, grifflose Küche. Zeitlos und schlicht.

Unser Wohnzimmer in der Kölner Altbauwohnung. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, würden es heute aber ganz anders machen.

Zeitlos wohnen mit Designklassikern

Meine Eltern waren immer große Fans von Design Klassikern. Ich erinnere mich an ein weißes Ledersofa. Le Corbusier. Ein blauer Sessel der wie eine angeschnitte Melone aussah. Coconutchair. Ein umgedrehtes Kanu über unserem Esstisch. Tobias Grau – Tai Lang.

Im Regal standen kleine Stühle. Die Vitra Miniatures Collection. Die haben bei mir besondere Bewunderung hervorgerufen. Die Stühle waren ein sechstel kleiner als das Original und in kleine Holzkästchen mit Holzspäne verpackt. Sie haben mich fasziniert und wären perfekt für meine Barbies gewesen. Theoretisch. André und ich teilen diese Bewunderung für Stühle. Nicht für Barbies. Daraus ist eine Leidenschaft entstanden. Erst waren es nur Bücher über Stühle, später auch über Designer bis hin zu Büchern über Klassiker und Einrichtung. So zum Beispiel über Charles und Ray Eames. Unsere neueste Errungenschaft ist Frame for Life von Ilse Crawford.

Wir setzen uns also mit unseren Möbeln auseinander. Wir kaufen uns keine Bilder. Unsere Raumausstattung ist unsere Kunst. Wir versuchen, das Normale besonders und Gewöhnliches ungewöhnlich zu machen. Höchste Priorität dabei hat, dass die Möbel zeitlos sind. Es müssen Klassiker sein, die eine hohe gestalterische und konstruktionelle Qualität haben. Das mixen wir gerne auch mit modernen Einrichtungsstilen. Auch ich bin nämlich großer Fan von dem skandinavischen, schlichten Look.

 Du kannst die billigsten Lumpen tragen. Kombiniert mit hochwertigen Schuhen wirst Du immer top gestylt aussehen.

Hat mal meine Mutter zu mir gesagt. Ähnlich sind ihre Impulse auch zur Einrichtung. Nur sind es da Lampen und Stühle. Und nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Mein Vater hat auch beruflich viel mit Möbeln am Hut. Oftmals hatten meine Eltern das Glück, die schweineteuren Designer Möbel als Austellungsstücke zu ergattern. Und meine Mutter war schon immer die beste Spermüll- und Flohmarkt-Plünderin.

Im Büro hatten wir schon ein paar mehr Klassiker. Eine Ligne Roset Schlafcouch und ein alter Eams Plastic Chair.

 

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8 Comments

  • Reply
    Talla
    13. April 2018 at 10:06

    Toller Beitrag! Es ist so schwer Möbel zu finden, die man nicht nach 2 Jahren schon wieder hasst 🙈 Klassiker sind wahrscheinlich echt the way to go. Von meinem Vitra Stuhl bin ich nämlich bisher nicht genervt 😉

  • Reply
    Theresa
    13. April 2018 at 10:40

    Sehr guter Artikeln. Ich habe auch schon so viele Möbel in meinem Leben rausgeworfen und es ist tatsächlich so, daß die Klassiker im Laufe der Jahre einfach immer schöner werden. Nicht umsonst haben sie sich im Zeitverlauf durchgesetzt. So kann man sich viele Jahre dran erfreuen. Sie sind natürlich nicht gerade günstig, aber hier gilt weniger ist mehr!

  • Reply
    Anna
    13. April 2018 at 11:27

    Vielen Dank für den tollen Beitrag und dass wir bei euch reinschauen durften. Stimme total mit dir überein, finde aber auch, dass auf dieser Welle im Moment viele zu reiten scheinen und dann ist es auch schon wieder nicht, was man möchte. Ich möchte einfach nicht, dass mein Zuhause aussieht wie jedes zweite andere hier im Kölner Westen. Gar nicht so einfach, weshalb Einrichten auch einspannendes Dauerthema bleibt 🙂

    • Reply
      shari
      13. April 2018 at 11:36

      Da hast Du recht!

  • Reply
    Janine
    13. April 2018 at 12:10

    Danke das du uns einen Einblick in euer Zuhause gewährst. Toller Beitrag 👍🏻

    Finde eure Einstellung gut, dass die Möbel auch zu dem jeweiligen Stil der Wohnung oder des Hauses passen sollten. Umso runder wird das ganze.

    Eine Frage hab ich noch: Die Couch aus eurer Altbauwohnung. Weist du noch woher ihr die hattet ? Suche gerade nach einer Wohnlandschaft. Aber ist gar nicht so einfach eine wirklich schöne zu finden 🤷🏼‍♀️

    • Reply
      shari
      13. April 2018 at 12:12

      Die haben wir damals bei ROOMS hier in Köln gekauft. Den Hersteller weiß ich leider nicht mehr… Hoffe, Du findest schnell das Richtige! Liebe Grüße

  • Reply
    Margit
    15. April 2018 at 6:03

    Schöner Einblick ich liebe Zeilos aber auf dem Flohmarkt habe ich noch nie was tolles ergattert. Ich wohne im falschen Bundesland 🤔 lg margits-blog

  • Reply
    Anika
    1. Mai 2018 at 18:49

    Hallo Shari!
    Ihr habt eine tolle Einrichtung….egal ob es eure Altbauwohnung in Köln, oder euer jetziges Haus!!
    Leider fällt mir das dekorieren, aber auch das Kaufen der passenden Möbelstücke wahnsinnig schwer, da wir im Wohnbereich rundherum Fenster haben….so kann man leider nichts aufstellen. Ich lasse mich dennoch sehr gerne von deinem Einrichtungsstil inspirieren.

    Liebe Grüße aus dem Oberbergischen
    Anika

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