Warum ich gerne Hausfrau bin – Zweiter Teil

Mit meinem ersten Hausfrauen-Post scheine ich den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Von dem Feedback war ich genauso überwältigt wie überrascht. Es folgte ein Gast-Beitrag zum Thema Hausfrau auf ntv.de und ein Interview für das Eltern-Magazin. Viele Stimmen schreien nach einer Fortsetzung. Warum ich gerne Hausfrau bin Teil 2. Heute also dann: Wie sich das Leben verändert, wenn man nur noch Hausfrau ist

Mein Leben vor dem Hausfrauen-Dasein

Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit in der Agentur. Ein unglaublich nettes, junges Team. Nette Chefs. Ausgiebige Mittagspausen mit leckerem Essen. Tolle Aufgaben, neue Herausforderungen und coole Weihnachtsfeiern. Meine Arbeitswoche war streng getaktet, das Wochenende heiß ersehnt und der Montagmorgen der pure Graus. Der Gedanke an einen selbstbestimmten Tagesablauf war also verlockend.

Mein positiver Schwangerschaftstest war der Sprung in die Selbstständigkeit. 10 Monate Schwangerschaft also die gezielte Auseinandersetzung mit meinem Family-Business-Plan. Wo die Reise hin geht, konnte ich nicht genau sagen. Und obwohl mir ständig jeder gesagt hat, ich soll die Zeit mit André genießen, konnte ich es nicht abwarten, endlich Mama und Hausfrau zu sein. Zuhause zu sein. In meinen Augen war besonders reizvoll, dass ich den ganzen Tag selbst gestalten und mit meinem kleinen Baby verbringen kann. Kuscheln. Essen. Genießen. Naive Gedanken.

Foto: Catja Vedder

Mit der Geburt kam die Wende. Natürlich war ich glückerfüllt. Bin es auch weiterhin. Schließlich habe ich noch drei weitere Kinder bekommen. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass so ein Leben als Hausfrau und Mutter alles andere als selbstbestimmt und entspannt ist.

Der Tag beginnt früh. Früher als ich es je glauben konnte. Duschen funktioniert bestenfalls mittags, wenn das Baby schläft. Mittagessen fällt oft aus, von einer Mittagspause möchte ich gar nicht sprechen. Immer dann schlafen, wenn das Baby auch schläft. Mein Lieblingssatz. Die Kleinen schlafen doch eigentlich immer, wenn man einkaufen geht oder irgendwo hin fährt. Kaum ist man Zuhause, wollen auch schon Säuglinge beschäftigt werden. Tragen, Stillen, Wickeln. Und in der kuscheligen Zweisamkeit mit dem Baby fällt einem dann irgendwann die Decke auf den Kopf. Vorbei die lustigen Konversationen mit anderen Kollegen. So ein Baby hat einem nicht viel zu sagen.

Herausfordernde Aufgaben hat man als Hausfrau viele. Dabei muss ich oft feststellen, dass ich zu wenig Arme und Hände habe. Ich genieße die Zeit mit allen am Wochenende, der Montagmorgen ist allerdings oft ersehnt und bringt Ruhe und Regeneration. Die brauche ich, denn mein Leben ist laut, stressig und anstrengend.

Und was hat das mit mir gemacht?

Ganz ehrlich: Ich bin so glücklich wie nie. Ich beherrsche das Chaos und bin in meiner Position nicht ersetzbar. Wäsche waschen, Kochen, Aufräumen. Viel aufräumen. Trösten, spielen und dabei sein. Beim Martinszug, beim ersten “MAMA” oder bei der Anmeldung in der Grundschule. Ich habe ein wunderschönes Zuhause mit einer großartigen Familie. Alles was ich mache, mache ich für meine Kinder und für meinen Mann. Für meine Familie. Darum bin ich gerne Hausfrau.

Trotzdem würde ich lügen, wenn ich sage, ich brauche keinen Ausgleich. Und wer das hier liest, weiß: Ich nehme ihn mir.  Die Working-Mum nimmt ihn sich in ihrer Zeit nur mit den Kindern, ich in meiner Zeit ohne die Kinder. Und da wäre ein Hobby naheliegend. Tennis oder Yoga. Beides nicht mein Ding. Zurück aufs Pferd wäre toll, allerdings zeitlich gerade nicht realisierbar. Also habe ich meine Leidenschaft für geschriebene Zeilen zu meinem Hobby gemacht. Zwischenzeitig ist es sogar ein kleiner Nebenjob geworden.

Ich schreibe einen Blog. Und ich liebe es, wenn mir Leute sagen, dass ihnen gefällt, was ich tue. Denn so gerne ich Hausfrau bin, so gerne mache ich auch Dinge nur für mich. Und neben der Bestätigung von Mann und Kindern freue ich mich natürlich auch über glückliche Kunden. Früher wie heute. Und das eine schließt das andere ja nicht aus.

Foto: Annette Etges